Samstag, 6. August 2016

Ich glaube, ich bin keine Orange

Ich hab keine Chance mehr auf ein echtes Bloggerleben. Also, wo hin und wieder mal eine Kooperation rum kommt. Wo man Menschen erreicht und was verändert. Wenn ich mich aktuell mal als Außenstehende betrachte, dann läuft irgendwas komisch in der Szene. Sie verändert sich, logisch, doch wohin?

 Schaffen kleine Blogs überhaupt noch den Sprung nach oben? Mal abgesehen davon, dass inzwischen jeder einen Blog schreibt, weil es sich im Lebenslauf irgendwie gut liest, wenn man einen eigenen Blog führt. Das wirkt irgendwie, als hätte man etwas in der Hand, worum man sich selbstständig kümmert, was Aufmerksamkeit und Pflege bedarf. Dabei wird man doch sowieso nicht mehr gelesen. Wie soll ich auch tausende Mode- oder Beauty-Blogs auf einmal durchstöbern? Na gut, oft reicht tatsächlich eine Handvoll, weil sowieso überall dasselbe steht.

Und die großen da oben? Denen wird von allen Seiten Honig ums Maul geschmiert, damit sie dieses oder jenes Produkt hypen - oft schmiert eine Firma gleich mehrere(n), damit es auch wirkt. Und der kleine Blogger kriegt auf eine (seriöse!) Anfrage die Antwort Dafür haben wir im Moment leider keine Kapazität. Ja, nee, schon klar. Ihr habt all euer Budget bereits den ernsthaften Influencern hinterher geworfen, ich verstehe.

Ist das eine Anklage der Blogger oder der Firmen? Ich hab oft das Gefühl, es läuft immer auf´s selbe hinaus.

Und welchen kuriosen Ansprüchen müssen Blogger inzwischen genügen? Skinny und sportlich und wunderhübsch sollen sie sein, am besten nebenbei Model. Da isses wieder, das schöne Ideal der Modeindustrie. Das leidliche. Wer nicht sein Essen á la Quinoa, Chia und Co. genießen mag, ist raus. Todesanzeigen für Nutellabrot, Fritten und Cornflakes. Da traut man sich kaum noch, das Messer abzulecken - soll man ja sowieso nicht. Also wird wieder von Oben rumdiktiert und alle anderen werden aufs Abstellgleis verbannt, die durchs Raster stürzen. Dabei war Bloggen mal was sehr Persönliches, was sich mit Individuen beschäftigen sollte, nicht mit dem Einheitsbrei, den wir heute serviert bekommen. Mit Gojibeeren-Garnitur, versteht sich. Und dann wird´s uns als Buddha Bowl verkauft.

Ich glaube, es geht inzwischen einfach -wie immer- darum, aus wem sich der meiste Saft pressen lässt. Welche Figur bringt dem Unternehmen XY den höchsten Ertrag, mit welcher Person grasen wir so viel Publikum ab, dass wir den und den Umsatz generieren, wenn der Post viral geht?
Bloggen ist billige Werbung geworden, wenn ihr mich fragt. Was kostet ein Spot in der Prime Time auf Pro7? Und der läuft nur wenige Sekunden!

Milchmädchenrechnung:
Leser/Follower eines Bloggers = Zuschauer/Publikum
Blogposts = Sendungen/Werbespots
Outfit/Swatching/Unboxing bla bla bla = Produkte des Unternehmens
Blog = TV

Blogger schreibt Posting, z.B. über Outfit, stellt es online -> Leser lesen/sehen -> kaufen Produkte -> Unternehmen verdient. Ja ja, der Blogger kriegt auch was. Ein bisschen Honorar, vielleicht darf er das Produkt behalten.

Ich bin keine gute Werbeikone. Ich mache keine gute Figur, wenn ich Posts schreiben würde, die meine Meinung widerspiegeln. Daraus ließe sich kaum Saft pressen, wenn ich nicht zufrieden bin. Da hält sich ein Unternehmen schön von fern, immerhin werden die bösen Kommentare der querulanten Kunden schon genug auf der Facebookseite angeschwemmt. Haben Firmen heute Angst vor echten Meinungen, weil Kritik keinen Umsatz bringt? Gibt es überhaupt Blogger, die negative Reviews schreiben, obwohl sie gesponsored wurden?

Liebe potentielle Kooperationskandidaten: ich freue mich über euren Mut, mir euer Produkt zum Testen zu geben. Doch seid gewarnt, es könnte sein, dass ich keine Orange bin!

Ich bin gespannt auf eure Kommentare (diesmal besonders *zwinker*).
Liebst

Eure Kali

Kommentare:

  1. Toller Post...ich stimme dir zu 100% zu, ich finde es auch traurig, dass so viele Blogger zu laufenden Werbetafeln ohne Mehrwert geworden sind oder eben auch schon immer waren. Versteh mich nicht falsch, ich liebe Outfit Posts, aber wenn jeder nur noch dasselbe trägt und bewirbt, dann hat das nix mehr mit Authentizität, sondern auch Masse und Mainstream zutun.

    Liebst,

    Madlén Bohéme

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    1. Lieben Dank liebe Madlén. Es gibt regelrechte Überschwemmungen an bestimmten Marken zu bestimmten Zeiten - da muss ich manchmal fast lachen, wenn jede Bloggerin plötzlich Teile von ein und derselben Marke trägt, als sei denen ein Laster umgekippt vorm Blogger-Hauptquartier :D

      Liebe Grüße
      Kali

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  2. Liebe Kali, ich stimme dir komplett zu!
    Ich bin einfach ein bisschen traurig, dass aus dieser unabhängigen frischen Meinung, die bloggen mal war, ein sehr häufig gesponsertes Modemagazin geworden ist. Irgendwie verschwimmt im Blogger-Kosmos nahezu jeder Individualität zu einer großen Massentauglichkeit und das nimmt mir manchmal einfach den Spaß einen Blog zu lesen. Insbesondere weil ich finde, dass ein Blog immer noch von der Person die dahinter steht und ihrer Meinung / ihren Ansichten lebt.

    Alles Liebe,
    Linn

    http://linnmaira.com

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    1. Hey Linn,
      da kann man genauso gut Cosmo oder Glamour lesen ;)
      Hauptsache, es wird gehyped, was alle toll finden.
      Masse statt Meinung, da stimme ich dir zu.
      Lieben Dank, dass du ein Kommi da gelassen hast.
      Grüßle
      Kali

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Liebst
eure Kali P.