Dienstag, 3. Januar 2017

2016 - meine Abrechnung

Nun stecke ich bereits wieder mitten drin im neuen Jahr, dabei wollte ich doch eine Abrechnung mit 2016 verfassen. Der Weihnachtsbaum nadelt bereits empfindlich, die ersten haben den Silvestermüll schon entsorgt, die Kater lassen nach, da lohnt es sich doch kaum noch, oder? Ach, egal.


2016 war für mich ein scheiß Jahr. Zwar gab´s diese und jene Highlights, doch die kann ich getrost hinten anstellen. Die Schatten sind in diesem Fall länger als das Licht.
Große Musiker sind von uns gegangen. Bowie. Prince. George Michael. Ich liebe ihre Musik und bin damit aufgewachsen. Sie waren noch nicht alt.
Große Persönlichkeiten sind von uns gegangen. Bud Spencer, dessen Filme so unverwechselbar waren. Muhammad Ali, der als bester Boxer der Welt galt. Peter Lustig, der für mich als Kind einer der Größten war.
Ein guter Bekannter von mir hat sich das Leben genommen. Wir lernten uns in einer Lebenskrise kennen und ich konnte ihm Hoffnung geben - bis ich es nicht mehr konnte. Zwar ist es sinnlos, danach zu fragen, doch manchmal überkommt es mich: Hätte ich Veränderungen bei ihm bemerken können? Hätte ich gesehen, was andere nicht sahen? Hätte ich es verhindern können, hätten wir noch Kontakt gehabt? Nicht einmal zu seiner Beerdigung durfte ich kommen...

Kurz vor Weihnachten ist mein Opa gestorben. An Krebs. Ich war mit einer Freundin auf dem Weihnachtsmarkt, als meine Mutter anrief und es mir sagte.
Ich glaube, ich habe bis heute nicht begriffen, dass ich ihn nie wiedersehen werde.
Es gab also kein wirkliches Weihnachtsfest bei mir, bei meiner Familie. Heute war die Anzeige in der Zeitung. Ich habe sie kurz überflogen und dann entsorgt. Ich rede manchmal mit ihm. Seitdem trage ich einen Pullover von ihm. Jeden Tag.

Zwar war ich dieses Jahr nach langem mal wieder im Urlaub, doch nebst all der großartigen Erlebnisse in dieser gigantischen Stadt namens Istanbul bleibt der Beigeschmack, dass ich mich dort gern wohler gefühlt hätte, gleich von Anfang an. Schlimm und beängstigend ist außerdem, dass es seitdem bereits weitere Terroranschläge gegeben hat. Ich wusste von vorn herein, dass es nicht ungefährlich sein würde, in die Türkei zu reisen, doch es sieht aus als hätten wir tatsächlich nur Glück gehabt. Es hätte uns treffen können, definitiv, das ist mir inzwischen klar.

Ich habe mich das letzte halbe Jahr oft überfordert gefühlt. Mit mir selbst, dem Haushalt, meinem Studium, mit meiner gesamten Einstellung. Ich bin wieder oft müde, antriebslos, manchmal schusselig und unkonzentriert, dann wieder euphorisch und enthusiastisch und motiviert - ganz tagesabhängig. Die Tage vergehen so schnell, dass kaum Zeit für mich bleibt, wenn ich alles getan habe was ich zu tun habe. Wenn ich denn alles getan habe, denn vieles bleibt oft wochenlang liegen und gerät fast in Vergessenheit, wenn ich es nicht aufschreibe. Und selbst das vergesse ich.
Ich fühle, dass keine Ruhe einkehrt. Meine Gedanken kreisen ständig um Dinge, die noch erledigt werden müssen. Irgendwann war ich mal Herr meines Hirns, das weiß ich noch genau, doch wie das funktionierte, daran erinnere ich mich nicht.
Vielleicht ist es mal wieder Zeit für eine Psychotherapie, in der ich mich wieder selbst erkenne. Leider ist die letzte noch kein Jahr her.

Wenn ich zurück blicke, frage ich mich, ob alle Entscheidungen, die ich 2016 getroffen habe, immer richtig waren. Ob sie gut für mich waren. Inzwischen habe ich Kopfschmerzen und kneife die Augen zusammen. Ich habe sogar letztens das falsche Medikament von meinem Arzt verschrieben bekommen, es nicht sofort bemerkt und die Tabletten bereits eine Woche lang genommen. Das war auch noch 2016. Inzwischen fühle ich mich wie Grießbrei. Was das kleine Wort retard doch ausmacht.
Ich werde jetzt mal ans Küchenfenster gehen, meinen Kopf hinaus strecken und hoffen, dass es entweder regnet oder gar schneit wie versprochen. 2017 soll es ja endlich schneien. Oder erwarte ich mal wieder zu viel?
Ach ja, meine Wunschliste für 2017 möchte ich noch schreiben, die bekommt allerdings einen eigenen Eintrag. Und ja, das ist ein Post einer depressiven 28jährigen.

Ich wünsche euch für 2017 alle Zeit der Welt für euch und die Menschen, die euch wichtig sind. Kraft und Ausdauer. Geliebt zu werden und selbst zu lieben. Zu tun, was euch gut tut und Spaß macht. Einen Job, der euch glücklich macht und gut bezahlt wird. Lang haltenden Nagellack. Eure Größe bei dem Paar Schuhe, in das ihr euch verliebt habt. Ein WC, wenn ihr ganz nötig müsst. Und Klopapier.

Liebst
Eure Kali

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eure Kali P.