Dienstag, 30. Mai 2017

Zwischen Tüll und Tränen

Ich schaue gerade Zwischen Tüll und Tränen und erlebe etwas mit, was ich selbst wohl so nicht erleben werde. Die Damen sitzen beisammen - das sind Mutter, Schwester, Oma und Trauzeugin - und beäugen die zukünftige Braut in ihrem potentiellen Brautkleid. Mama ist ganz gerührt und der Trauzeugin kommen unter vielen besonderen Worten über die Freundin die Tränen.  

Wir haben so viel gemeinsam durch und sie ist eben die, die immer für mich da war und immer sein will... wenn du strahlst, das wird einfach das Beste sein.

Und ich stelle fest: für den Posten der Trauzeugin habe ich niemanden. Ich habe keine beste Freundin.


Überhaupt ist mein Sortiment an Kleidern größer als an Freunden - und ich trage nicht einmal so gern Kleider.
Ich habe mit niemandem gemeinsam viel durchgemacht. Ich war immer allein mit meinem Scheiß. Selbst von dem richtig großen, richtig elenden Scheiß, den ich so erlebt habe, hat niemand sonst viel miterlebt. Warum auch, ich hab doch Tonnen für meine Tonnen von Müll, die stell ich doch nicht direkt auf die Straße? Hätte ich wohl sollen.

Jedenfalls stelle ich mir gerade vor, was wohl wäre, wenn ich einmal heirate. Ich wäre dezent am Arsch, weil keine Sau Zeuge meiner Trauung sein will. Ich sehe die Sache schon daran scheitern.
Ich habe gerade eine Handvoll Menschen in meiner Umgebung, die ich überhaupt von den Bekannten abgrenzen würde. Doch selbst unter denen fehlt die Neigung, nicht aus allen Wolken zu fallen, wenn ich diese bedeutungsschwangere Frage stellen würde.

Wie fühlt sich diese Tatsache an? Widerlich, um ehrlich zu sein. Ich habe niemanden, der meine Trauzeugin sein wollen würde.

Das sollte eine Freundin sein, die ich ewig kenne und mit der ich durch alle Zeiten meines Lebens gegangen bin. Eine, mit der ich gelacht und geweint habe, die selbst nachts um Zwei für mich da war, die mir immer beigestanden und mich unterstützt hat. Eine beste Freundin.
Eine, die ich heute nach vielen Jahren wiedersehe und mit der es sich wie immer anfühlt. Der ich alles anvertraue und mit der ich mich nach einem fetten Zoff immer wieder versöhne.

Früher dachte ich, ich hätte eine beste Freundin. Allerdings war das ein Trugschluss, wie ich heute weiß. Irgendwann sagte die Betreffende einmal in meiner Gegenwart, wen sie für ihre beste Freundin hielt. Nicht mich.
Ich glaube, seitdem ging es mit uns bergab. Dabei verhielt ich mich wie eine beste Freundin. Ich war da. Trotzdem wird sie bei ihrer Hochzeit eine andere Trauzeugin wählen. Jetzt sowieso, denn heute haben wir nicht mal mehr Kontakt.
Tragisch, wie Freundschaften auseinander gehen. Wie sich Menschen voneinander weg entwickeln.

Manchmal macht es mich traurig, nicht diese eine Person zu haben, die mich zu 100 % versteht, weil sie denselben Knall hat.
Und jetzt kommt kein Aber zum Glück gibt es... oder Doch ich habe für mich einen Weg gefunden,...
Nein, ich habe keinen Ersatz für diese Lücke, die niemand bei mir füllt. Es gibt hier kein Happy End, mit dem ihr euch jetzt wohl fühlen könnt.
Vielleicht seid ihr in einer ähnlichen Situation?

Vor kurzem stellte ich fest, dass viele da draußen ein ähnliches Schicksal teilen, doch genau deswegen mit niemandem darüber reden können. Keine echte Freundschaft zu haben, ist für mich echt beschissen. Was macht mich so unsympathisch? Wer ist schuld an dieser Misere? Liegt es wirklich nur an mir? Bin ich einfach nicht der Typ für Freunde? Kennt ihr diese Fragen? Erzählt mir eure Geschichte.

Brauchen wir Freundschaften? Ich denke schon. Und wenn man keine hat, will man sie umso mehr.

unkrautige Grüße
Kali

1 Kommentar:

  1. Hallo Kali,
    mir ist, als hätte ich diesen Post geschrieben, denn es geht mir haargenau genauso. Außer dass ich schon verheiratet bin. Aber als das Gespräch kam, ja wer wird denn Trauzeuge, da musste ich schwitzen, denn es gab niemanden, absolut niemanden. Und bei meinem Mann das gleiche. Wir haben zwar beide viele Kontakte wie Arbeitskollegen, Geschäftspartner, Bekannte aus der Stadt, andere Mütter aus dem Kindergarten etc. mit denen man auch mal was unternimmt und Spaß hat, ja manchmal sogar das Gefühl man ist vielleicht doch irgendwie befreundet, aber nicht so verbunden dass sie als Trauzeuge in Frage kämen. Also, wer ist es dann geworden.... es wurden die Cousine meines Mannes und mein Onkel. Mein Onkel hatte am Standesamt aber seinen Ausweis vergessen weswegen letztendlich nur die Cousine meines Mannes Trauzeugin war. Traurige Wahrheit..... Ich wünsche mir so oft, ich hätte eine beste Freundin....

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